Freitag, 16. Januar 2026
Konventioneller Seewolf
Zu unser aller kulturellem Hintergrund gehört der Seewolf als Vierteiler im ZDF, jüngst gab es im Kulturradio die Lesung des Romans von Jack London, wodurch zu erfahren ist, worin die Serie abweicht von der literarischen Vorlage.
Die zerquetschte Kartoffel kommt auch schon im Roman vor.
Anders als in der Verfilmung gibt es geradezu ein Hollywood-Ending für unseren Protagonisten. Er flieht mit der anderen Schiffbrüchigen, beide kannten einander schon dem Namen nach, nachdem offenkundig, aber ohne dass zu viel gesagt würde, vom Kapitän die Gefahr sexualisierter Gewalt ausgeht.
Sie stranden auf einer felsigen Insel, bauen eine Hütte mit getrennten Schlafzimmern, später wird das Schiffswrack mitsamt dem Kapitän angespült, er ist schon krank, aber trachtet den beiden nach dem Leben.
Erst als die beiden mit dem Schiff aufs Meer fahren können und ihre Rettung ansteht, fallen sie sich in die Arme und sind das Liebespaar, das zu sein sie bestimmt sind.
Keine blaue Lagune oder Single-Island.

Das Auffällige hierbei ist, dass auch Seewolf Larsen, der völlig skrupellos ist und keine Kategorien von Moral kennt, nach heutiger Sicht die Konventionen beachtet und sich nicht sofort eben mal nimmt, was er braucht. In einer Szene ist er kurz davor, wird vom Protagonisten angegriffen, die Verletzung ermöglicht die Flucht der beiden, aber das Geschehen ist für heute weit unterhalb des Schwimmbades oder von Silvester.

Schlussfolgerungen über die Entwicklung der Zivilisation wären auch schon nicht mehr zeitgemäß.

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