Montag, 22. Januar 2018
Aufgeschobenes Durchregieren aus gutem Grund
Das SPD-Theater war ja nett, aber wovon es ablenkt, ist doch, dass wir sehr wohl eine Regierung haben. die Kanzlerin hätte vier Monate durchregieren können. Das Parlament wartet mit den Ausschüssen auf die Koalitionsbildung, aber niemand ist nicht arbeitsfähig. Sigmar Gabriel sagte scherzhaft, es sei schlimm, wenn etwas funktioniere, ohne dass man dabei ist. Aber er ist dabei, er ist Außenminister. Heiko Maas ist Justizminister. Mehr als das Geschäftsführen muss nicht verlangt werden.
Es ist nur eben das Ding, abzuwarten, bis eine große Wahl vorüber ist. Gewöhnlich wartet die Bundesregierung, bis Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen gewählt hat, mit den Entscheidungen. Jetzt ist es die eigene Wahl. Die Kanzlerin macht keine Anstalten, durch ihr Handeln positiv aufzufallen, so dass alle sagen würden: die muss bleiben.
Der Umkehrschluss ist sicher nicht böswillige Unterstellung: Sie tut das nicht, was sie tun würde, damit es jetzt nicht heißt: die darf nicht bleiben.
Was sie tun wird, hat sie demnach jetzt schon vor.
Jetzt ist wieder mal eine gute alte Zeit.

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Sonntag, 21. Januar 2018
Grünfunk
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden oft als Staatsfunk bezeichnet, nur weil sie ihre Finanzierung staatlich eintreiben, dabei ist dieser Vorwurf gänzlich unbegründet.
Im Deutschlandfunk lief ein Programmhinweis auf ein Feature zum G20-Chaos mit dem Titel „Welcome to Hell“, der Sendetermin wird genannt und dazu werden ein paar Stimmen moniert, damit man neugierig wird. Die Stimmen gehen so: „Dann kam der schwarze Block, das waren die Polizisten … größte Anhäufung von Polizeipferden … wenn die Polizei nicht so straff organisiert gewesen wäre, wäre es nicht dazu gekommen … tausendfünfhundert Polizisten, und wenn dann fünfzig nicht weglaufen ...“
Klare Tendenz, DLF-Zuhörer sind vielleicht nicht mehr die jüngsten, denen muss man alles überdeutlich präsentieren.
Nur: Staatsfunk wäre ja wohl einer, der einseitig für die Polizei in Stellung ginge. Oder?
Oder der Staat selbst ist so, die eigene staatliche Ordnung abschaffend. Das hieße aber: okkupiert von Gaunern.
Und weil das alles nicht sein kann, muss es eben an der Polizei liegen.

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Samstag, 20. Januar 2018
Zur Erkennbarkeit manipulativer Techniken
Die Trump-Präsidentschaft diene hier als das Beispiel dafür, wie man als Nutzer die Informationen einordnen kann, die einen erreichen, gleich, ob sich diese Informationen als Nachrichten oder Kommentare ausgeben, meistens sind es sowieso nur Emotionen.
Man sollte schon beim Eingang der Informationen die Unterscheidung treffen, ob Metaphern verwendet werden oder ob es eine einigermaßen konkrete Beschreibung ist, anschließend, ob die Beschreibung einen vollständigen Vorgang beinhaltet beziehungsweise beinhalten kann, und im Falle der Metapher, ob sie emotional aufgeladen ist. Im Fall der Metapher hat man nichts erfahren. Spaltung der Gesellschaft, Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Ismus, so was sind Umschreibungen für nichts. Die Gefahr ist, dass die implizierte Einstellung hängenbleibt. Man glaubt zu wissen, was für einer das ist. Und das ist der Punkt, an dem man sich klarmachen soll, dass man nicht nur nichts erfahren hat, sondern eine Einstellung vorgegeben bekommt. Keine leichte Sache, denn man schaltet das Radio ja ein, weil man etwas erfahren will. Man muss sich eingestehen, dass dieser Wunsch unerfüllt geblieben ist.
Das heißt noch nicht, dass das Gegenteil zutrifft, es heißt eben gar nichts.
Es kommt weniger darauf an, mit welchem Grad an Arroganz und Nachdrücklichkeit die Information vermittelt wird, sondern mehr, darauf ist zu achten, ob sie überhaupt wahr oder falsch sein kann. Eine echte Information kann falsch sein, eine ideologische nicht. Da ist das ganze Metapherngebilde falsch, aber das darf ja gerade nicht infragegestellt werden. Auch dies ist ein sicheres Zeichen für propagandataktische Trickserei.

Mit diesem Blick versteht man vielleicht auch besser, warum so viele Menschen ihren Informationsstand vehement verteidigen.

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Freitag, 19. Januar 2018
Wenn es kippt
Dass eine Stimmung kippe, ist so eine journalistisch-politische Metapher, die keine brauchbare Vorstellung liefert. Falsch ist schon: Stimmung. Es geht um Meinungen und darum, wo man sie sich machen lässt und wonach man sie ausrichtet.
Flüchtlinge und Wir schaffen das; eigentlich will man das, man wünscht sich diese Situation, deshalb funktioniert die Propaganda. Man wünscht, dass es Flüchtlinge wären, und will auch mal was schaffen, man hat ja sonst keine Erfolgserlebnisse. Hierbei kommt es darauf an, dass die Regierungschefin das sagt und die Presse das teilt und es demzufolge herrschende Meinung ist. Man müsste, um sich eine abweichende Meinung überhaupt erst zu bilden, einen emotionalen Widerstand überwinden.
Dazu kommt, oder eigentlich kommt es noch zuvor: Man schaut auf die sog. Flüchtlinge durchweg herab. Man hat den gütigen Blick aus dem reichen Land an die, die davon etwas abbekommen sollen, ohne dass jemandem was weggenommen wird, zumal: welchen Genderbeauftragten und Grünlingen sollte man etwas wegnehmen können, was denn? Da ist keine Konkurrenzsituation. Alles emotional in bester Stimmung also.

Es muss immer mehr Aufwand betrieben werden, um die gute Stimmung als die mehrheitliche auszugeben. Wenn es die Berichterstattungspflicht verlangt, darf über böse Meinungen berichtet werden, aber mit dem Bescheid, dass es sich um eine Randerscheinung handle.

Und dies ist es, was kippen kann; zum einen wird eine bis jetzt verschwindend große Mehrheit erkennen, dass die Meinungsverteilung ganz anders ist als dargestellt, aber noch wichtiger wird sein, dass die Mitläufer selbst zu spüren kriegen, wobei sie mitgelaufen sind.
Ihnen muss man einen gesichtswahrenden Ausstieg aus dem Mitlaufen anbieten.

Denn um die Stimmung geht es nun wirklich nicht.

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Donnerstag, 18. Januar 2018
Dämmernde Verantwortung
Merkel wird nachgesagt, sie hätte nie einen eleganten Satz zustandegebracht, aber das stimmt nicht; am Wahlabend der vorigen Wahl, als sie fast die absolute Mehrheit im Parlament hatte und die SPD ein unerfreuliches Ergebnis bekam, für das sie die Schuld bei der Kanzlerin ausmachte, sagte sie in der Berliner Runde: Sie waren doch in der Opposition, da konnten Sie machen, was sie wollten, insofern übernehme ich dafür nicht die volle Verantwortung.
Schön, nicht zu beanstanden.
Aber seitdem denkt die SPD, Regieren bekomme ihr nicht. Die Basis ist dagegen, die Jusos sind sowieso dagegen, nur der Vorstand möchte Posten haben oder behalten. Auf die Idee, dass die Partei sich gerade damit überflüssig macht, dass sie für nichts was kann und nicht mal für das eigene Wahlergebnis, kommt sie nicht, höchstens Sigmar Gabriel, und der bleibt damit wirkungslos.

Ließe, so ist zu lesen, die SPD die Minigroko platzen, würde die Partei einen Linksruck vollziehen. Aber damit wäre, entgegen der häufig geäußerten Vermutung, nicht die Kanzlerin gleich mit erledigt, die würde durch ihren Nichtganzsolinksruck ihre Wähler zurückbekommen.

Machen, was sie will, wird sie natürlich weiterhin.
Wenigstens dafür sollte sie die ganze Verantwortung übernehmen.

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Mittwoch, 17. Januar 2018
Heißer Preis
Man hat es schon wieder vergessen, es war gestern, Unwort des abgelaufenen Jahres ist „alternative Fakten“.
Was hatte es mit denen auf sich?
Die Sprecherin des schlimmen Trump hat der Presse gesagt, man werde sie nicht beschwindeln, aber zuweilen alternative Fakten vorbringen. Also: Ergänzungen, ausgeblendete Fakten. Eine schöne Vorlage für Comedians, einen Schwindel als Präsentation alternativer Fakten zu bringen. Da die Grenze zwischen Comedy und Presse verschwimmt, hat die Presse das gleich so übernommen und einen Euphemismus für Schwindelei daraus gemacht.
Und so kam es zur Wahl zum Unwort.
Die Umdeutung, die von der Presse vorgenommen wurde, wird mit dem Negativpreis bedacht. Nicht etwa die Verwendung im normalen Sprachgebrauch oder auch nur im offiziell politischen, da kommt das gar nicht vor.
Die Presse hat sich selbst den Negativpreis gegeben. Merkt es aber nicht vor lauter Aufrichtigkeit.

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