Sonntag, 8. November 2026
Sprechen und Sein
Auch und sogar Linke reden zuweilen von der sogenannten Blase, der Info-Welt, die geschlossen und abgegrenzt wirkt, obschon sie nicht unüberwindlich wäre. Man befindet sich in der Informationsgesellschaft eben nicht in dem Raum der uneingeschränkten Informierbarkeit, weil man auswählen muss und meistens die Auswahl schon getroffen hat. Man hat denselben Kenntnisstand wie die Menschen, mit denen man umgeht, weil sie denselben Kenntnisstand haben. Das ist die Blase.

Es ist aber noch schlimmer, und dazu müsste man die scheußliche Frage zulassen, was macht das mit uns. Wir sind durch das ständige Reproduzieren der Infosphäre sozusagen selbst zu unserer Summe der Informationen geworden. Wir sind, was wir informiert sind.

Das war nicht immer so, vor der völligen Informationsgesellschaft waren wir hauptsächlich Wesen in der realen Welt, die sich Informationen verschafft haben. Jetzt sind wir Info-Wesen, die sich zuweilen in die reale Welt begeben und sich nicht von Informationen aus der Realität tangieren lassen. Wir sind zu dem geworden, was wir reden.
So lässt sich erklären, wieso zum Beispiel Politiker sich für ihr Amt halten. Früher waren sie Darsteller der Funktion, jetzt halten sie sich selbst für den Status, auf den sie geraten sind.
Etwas anderes kennen sie ja nicht.
Das ist gleichbedeutend mit „sonst sind sie nichts“.
Es wäre nicht möglich, sie darüber in Kenntnis zu setzen.

... comment