Mittwoch, 11. Februar 2026
Das Ende der Wiedervereinigung
tagesschauder, 10:49h
Es mehren sich Überschriften, die eine Ansicht vermitteln, Ostdeutschland setze sich ab oder „Deutschland verliert den Osten“, wörtlich, also irgendwas mit Entfremdung. Die Zonenkinder-Autorin hat ein neues Buch und versucht, die Abkehr des Ostens von der Demokratie zu beleuchten. Da hat sie einen verständnisvollen, aber eben aus der Draufsicht gehaltenen Blick.
Neue Erklärungen und neue Experten, auch ältere in neuer Konstellation, zur Hochstufung des Ostens zum eigenen Phänomenbereich, das ist die neue Beschlusslage in der Pseudosphäre.
Was da nicht vorkommt: Die vermeintliche Abkehr von der Demokratie ist eine Sättigung des Demokratiegequatsches, davon haben die Ostdeutschen genug, einige und manche.
Um was es mit der medialen Aufbereitung geht, ist wohl eine Herabstufung von Wahlergebnissen zu Ostwahlergebnissen. Abspaltung des Unliebsamen, und wenn es sein muss, der Region. Das ist emotional leichter zu ertragen als das Eingeständnis des eigenen Westversagens.
Neue Erklärungen und neue Experten, auch ältere in neuer Konstellation, zur Hochstufung des Ostens zum eigenen Phänomenbereich, das ist die neue Beschlusslage in der Pseudosphäre.
Was da nicht vorkommt: Die vermeintliche Abkehr von der Demokratie ist eine Sättigung des Demokratiegequatsches, davon haben die Ostdeutschen genug, einige und manche.
Um was es mit der medialen Aufbereitung geht, ist wohl eine Herabstufung von Wahlergebnissen zu Ostwahlergebnissen. Abspaltung des Unliebsamen, und wenn es sein muss, der Region. Das ist emotional leichter zu ertragen als das Eingeständnis des eigenen Westversagens.
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fritz_,
Mittwoch, 11. Februar 2026, 16:00
Das erinnert mich an was. Vor 3 Wochen war ein gewisser Augstein Gast bei einem Gespräch auf der Bühne in einem Ostberliner Theater, und der Journalist, der darüber schrieb, wurde ganz wuschig, als Augstein auf der Bühne zum Captain Obvious wurde. Es wird auf das chronische, aber meist geleugnete Vorhandensein von Westalgie erkannt und auf sowas wie, dass die Lebenslügen des deutschen Westens sich daran aufrichteten, dass man den Osten zum Belehren und zum Schlechtmachen hatte. Doch das soll jetzt vorbei sein, weil auch im Westen die morschen Balken brechen, die Wirtschaft krachen geht und ein funktionierendes Land nur noch eine Fußnote in einer gefälschten Doktorarbeit ist. "Der Westen wird gerade erschüttert, wie der Osten 1989/90", ist so ein Satz in dem Artikel.
Und der Journalist ist ganz baff, dass Augstein das ausspricht, weil der Journalist es schon lange so empfindet.
Nun würde ich auf die Wirkkraft von Augsteins Blabla nicht allzuviel geben, aber immerhin konstatieren, dass auf der Theaterbühne der Narr dazu da ist, die Wahrheiten auszusprechen, für die die ernsten Charakterrollen zu unseriös sind, in ihrer Rolle der bequemen Lebenslüge.
Die beiden Eintänzer da auf der Bühne (beides Verleger, aber sie waren bestimmt als Privatmann da) kann man nicht ganz ernstnehmen. In einem Nebenthema, wer der letzte gute Politiker gewesen wäre, sagt der eine "Gysi", und der andere "Kevin Kühnert"(!), und da widerspricht aber der andere dem einen heftig, und das ist der Level an Tiefgang, an dem das Gespräch durchs flache Wasser rudert.
Im Übrigen bin ich wie immer einig mit dem Philosophen N, dass der Mensch, ergo der Wessi, vor allem anderen sich selbst belügt. Er (der Philosoph) hat aber auch gesagt, dass die Lüge ursprünglich moralisch war, indem man so tat, als wäre man mit der Masse ("der Heerde") einer Meinung, und an dem Punkt stimmt es auffallend.
Und der Journalist ist ganz baff, dass Augstein das ausspricht, weil der Journalist es schon lange so empfindet.
Nun würde ich auf die Wirkkraft von Augsteins Blabla nicht allzuviel geben, aber immerhin konstatieren, dass auf der Theaterbühne der Narr dazu da ist, die Wahrheiten auszusprechen, für die die ernsten Charakterrollen zu unseriös sind, in ihrer Rolle der bequemen Lebenslüge.
Die beiden Eintänzer da auf der Bühne (beides Verleger, aber sie waren bestimmt als Privatmann da) kann man nicht ganz ernstnehmen. In einem Nebenthema, wer der letzte gute Politiker gewesen wäre, sagt der eine "Gysi", und der andere "Kevin Kühnert"(!), und da widerspricht aber der andere dem einen heftig, und das ist der Level an Tiefgang, an dem das Gespräch durchs flache Wasser rudert.
Im Übrigen bin ich wie immer einig mit dem Philosophen N, dass der Mensch, ergo der Wessi, vor allem anderen sich selbst belügt. Er (der Philosoph) hat aber auch gesagt, dass die Lüge ursprünglich moralisch war, indem man so tat, als wäre man mit der Masse ("der Heerde") einer Meinung, und an dem Punkt stimmt es auffallend.
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fritz_,
Mittwoch, 18. Februar 2026, 13:46
Bei Deutschlandfunkkultur im Archiv gibt es einen Artikel, da sind im Jahr 2020, also zum 30-jährigen Republikgeburtstag, einigen Leuten Mikrofone hingehalten worden. Heraus kam, was immer rauskommt, Stanzen, aber auch Skurriles, und die Zonenkinder-Autorin war adabei.
Sie führt den Begriff Critical Westness (WESTness) in die Rundfunksendung ein, "den speisen wir ein". Einen Begriff, der so herrlich bscheuert ist, aber zeigt, was sie gelernt hat, das Gespür, welche Knöpfe im Prinzip bei den Adressaten drückbar sind. Das war aber noch nicht mal der Tagessieger, denn ein anderer sagte, "Empowerment Ost ist nicht Dissing West", und auf dem Stanzenfriedhof war dann fast kein Platz mehr, aber Augstein kam auch noch zu Wort.
Sie führt den Begriff Critical Westness (WESTness) in die Rundfunksendung ein, "den speisen wir ein". Einen Begriff, der so herrlich bscheuert ist, aber zeigt, was sie gelernt hat, das Gespür, welche Knöpfe im Prinzip bei den Adressaten drückbar sind. Das war aber noch nicht mal der Tagessieger, denn ein anderer sagte, "Empowerment Ost ist nicht Dissing West", und auf dem Stanzenfriedhof war dann fast kein Platz mehr, aber Augstein kam auch noch zu Wort.
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