Samstag, 13. Mai 2017
Traditionspflege
Man kann für oder gegen Wehrpflicht sein, aber dass die Bundeswehr mit Wehrpflichtigen einen Querschnitt der Volksbevölkerung darstelle, kann nun keine Begründung sein. Das ist allenfalls, wenn es so sei, ein Nebeneffekt, aber keine Berechtigung, den Bürger zu verpflichten. Die Sicherheitslage, die Notwendigkeit zur Verteidigung, das allein kann für Wehrpflicht sprechen.
In diesem Zusammenhang wird auch die Floskel vom Bürger in Uniform bemüht und verfälscht – sie hatte nie zu bedeuten, den Bürger oder alle Bürger in Uniform zu stecken, sondern im Gegensatz zum Bild des Untertanen den mündigen Bürger, der Dienst tut, aber mit allen Bürgerrechten.
Wird leicht vergessen, zumal der mündige Bürger auch nicht mehr im Munde geführt wird.
Wäre da noch die Wehrmachtstradition. Es gibt kaum eine Tradition, die nicht auch trübe Seiten hätte, über die man nicht gern spricht, und die trüben Seiten können auch überwiegen. Dann ist die einzige Möglichkeit, den mündigen Bürger in Uniform zur Auseinandersetzung, zum eigenen Denken, anzuregen, statt die Entmündigung durch Abschneiden der Tradition voranzutreiben. Man möchte jedoch nicht dem Soldaten vor Augen führen, dass die Armeeführung auch im Dienste von Gangstern stehen kann und ein 20. Juli nötig werden könnte.
Das ist die Tradition, die gepflegt wird.

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