Samstag, 28. März 2026
Neubauerscher Beweis
tagesschauder, 11:24h
Da hat doch Luisa Neubauer beim großen Auftritt gesagt, die Männer können froh sein, dass wir nur Gleichberechtigung fordern und nicht Vergeltung. Jubelkreische der Hörerinnen aller Geschlechter.
Nun sagen manche, sie redet von Vergeltung.
Wir müssen uns hier eine gewisse Bewunderung abnötigen, der rhetorische Griff ist na nicht gleich brillant aber clever, oder doch, brillant, sie redet von Vergeltung, ohne von Vergeltung zu reden, schon das ist geschickt, und die sich darüber nun echauffieren, sind eben Männer blasser Gestalt, na bitte.
Noch stärker ist die Dramaturgie, sie schafft eine Situation, sie bestimmt, was die Lage ist. Das ist das, was wir immer meinen, wenn wir sagen, es geht um die Szene. Sie zeigt sich als Akteur. Sie ist die Handelnde. Dabei redet sie nur.
Und auf die Spitze drauf kommt noch die emotionale Entlastung, „wir wollen nicht Vergeltung, könnten wir, aber wir sind hier die Guten, also die Besseren“, das wirkt.
Mehr braucht nicht bewiesen zu werden.
Nun sagen manche, sie redet von Vergeltung.
Wir müssen uns hier eine gewisse Bewunderung abnötigen, der rhetorische Griff ist na nicht gleich brillant aber clever, oder doch, brillant, sie redet von Vergeltung, ohne von Vergeltung zu reden, schon das ist geschickt, und die sich darüber nun echauffieren, sind eben Männer blasser Gestalt, na bitte.
Noch stärker ist die Dramaturgie, sie schafft eine Situation, sie bestimmt, was die Lage ist. Das ist das, was wir immer meinen, wenn wir sagen, es geht um die Szene. Sie zeigt sich als Akteur. Sie ist die Handelnde. Dabei redet sie nur.
Und auf die Spitze drauf kommt noch die emotionale Entlastung, „wir wollen nicht Vergeltung, könnten wir, aber wir sind hier die Guten, also die Besseren“, das wirkt.
Mehr braucht nicht bewiesen zu werden.
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fritz_,
Samstag, 28. März 2026, 18:40
Was so ähnlich klingt, wie es oft klingt: wir wollen Vergeldung.
Man muss nicht bei Nietzsche abschreiben, um drüber zu lachen, dass 'Ich bin gerecht' klingt wie Ich bin gerächt. Das wussten sie damals schon und gilt immer. "Eure Tyrannen-Gelüste vermummen sich in Tugend-Worte", etc. blabla.
Eins der zuständigen Satirekapitel heißt "Von den Taranteln". Näheres siehe dort.
Heutigen Lesern mit der Aufmerksamkeitsspanne des 21. Jahrhunderts kann man sagen: Man darf das ohne weiteres Weglesen wie Zeitung, egal, wie gespreizt die Worte sind. Weglesen wie eine ungewohnt ehrliche Zeitung, die 25 h am Tag doppelte Maßstäbe freilegt.
Man muss nicht bei Nietzsche abschreiben, um drüber zu lachen, dass 'Ich bin gerecht' klingt wie Ich bin gerächt. Das wussten sie damals schon und gilt immer. "Eure Tyrannen-Gelüste vermummen sich in Tugend-Worte", etc. blabla.
Eins der zuständigen Satirekapitel heißt "Von den Taranteln". Näheres siehe dort.
Heutigen Lesern mit der Aufmerksamkeitsspanne des 21. Jahrhunderts kann man sagen: Man darf das ohne weiteres Weglesen wie Zeitung, egal, wie gespreizt die Worte sind. Weglesen wie eine ungewohnt ehrliche Zeitung, die 25 h am Tag doppelte Maßstäbe freilegt.
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damals,
Samstag, 28. März 2026, 22:36
Danke für den Hinweis auf Nietzsche: Ich hab da schnell nachgelesen und war verblüfft über den Gleichklang der Gedanken von Neubauer und Nietzsche: Benachteiligte Menschen haben zunächst einmal ein Rachegelüst, und Ihr Ruf nach Gerechtigkeit hat seinen Ursprung in diesem Rachegelüst - sie können und werden aber (und hier geht Neubauer dankenswerterweise über Nietzsche hinaus) auf die ursprüngliche Rache verzichten, wenn sie sich als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft betrachten können.
Nun kommt es nur noch darauf an, ob wir Männer ihnen dieses zugestehen, gesetzlich vereinbart ist es ja schon.
Nun kommt es nur noch darauf an, ob wir Männer ihnen dieses zugestehen, gesetzlich vereinbart ist es ja schon.
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fritz_,
Sonntag, 29. März 2026, 12:46
Ich seh's jetzt auch, dass mein naiver Vorschlag an die Generation Tiktok, Zarathustra wie Zeitung zu lesen, u.a. das Problem der Aufmerksamkeitsspanne unterschätzt und die Gefahr birgt, obwohl er tot ist, Nietzsche virtuell vergewaltigen zu lassen.
Ich bereue nichts, denn die Pointe, dass Neugebauer dankenswerterweise über Nietzsche hinausgeht, wäre uns sonst nicht gelungen. Jetzt schalten wir aber um zum Buckelwal!
Ich bereue nichts, denn die Pointe, dass Neugebauer dankenswerterweise über Nietzsche hinausgeht, wäre uns sonst nicht gelungen. Jetzt schalten wir aber um zum Buckelwal!
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manhartsberg,
Sonntag, 29. März 2026, 13:39
Gut, fritz, bisher bist Du ja eher mit Dackelvergleichen aufgefallen, aber mit einigem schlechten Willen kann man alte Weiblein (und ihre Ratschläge) natürlich auch mit Buckelwalen in Zusammenhang bringen. Neubauer aber mit Phyllis?
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