Mittwoch, 17. Juni 2026
Staatstheater
tagesschauder, 10:52h
Aus unerfindlichen Gründen wird in einem Thüringer Kreis der Landrat gewählt, und ein klares Gesicht zeigt der Intendant des städtischen Theaters, er tritt zurück, wenn in der Stichwahl nicht der Amtsinhaber gewinnt, sondern der andere von den Anderen.
Im Kulturradio wird er ausführlich befragt. Holocaustrelativierer sei der, er habe die Namen auf den Stolpersteinen als Kriegsopfer bezeichnet.
Das klingt schon nach interpretatorischer Zuschreibung, denn wenn es etwas Genaueres gäbe, würde man das vorbringen. Wenn der das so als Aussage getätigt hat, dann ist sie inhaltlich falsch, und auf dieser Ebene sollte man damit umgehen, was ja leicht möglich wäre. Aber Umgang auf inhaltlicher Ebene ist gerade nicht mehr gewollt, dann machen sich die Leute ihre eigenen Meinungen.
Der Intendant beschreibt auch die zu erwartenden Auswirkungen auf das Theater. Was er da anspricht, sind die Verflechtungen des Theaters mit dem Staat. Staatsleute in den Gremien und all das. Bisher eben im politischen Einklang. Der Einklang ist in Gefahr.
Man kann also auch das Theater abwählen.
Wird schon gut ausgehen für den Intendanten.
Im Kulturradio wird er ausführlich befragt. Holocaustrelativierer sei der, er habe die Namen auf den Stolpersteinen als Kriegsopfer bezeichnet.
Das klingt schon nach interpretatorischer Zuschreibung, denn wenn es etwas Genaueres gäbe, würde man das vorbringen. Wenn der das so als Aussage getätigt hat, dann ist sie inhaltlich falsch, und auf dieser Ebene sollte man damit umgehen, was ja leicht möglich wäre. Aber Umgang auf inhaltlicher Ebene ist gerade nicht mehr gewollt, dann machen sich die Leute ihre eigenen Meinungen.
Der Intendant beschreibt auch die zu erwartenden Auswirkungen auf das Theater. Was er da anspricht, sind die Verflechtungen des Theaters mit dem Staat. Staatsleute in den Gremien und all das. Bisher eben im politischen Einklang. Der Einklang ist in Gefahr.
Man kann also auch das Theater abwählen.
Wird schon gut ausgehen für den Intendanten.
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fritz_,
Mittwoch, 17. Juni 2026, 14:29
In Rüdolstadt war ich immer gerne auf Besuch. Ein hübsches Städtchen. Da haben sich z.B. auch, im Elternhaus von Schillers späterer Frau, der Schiller und der Göde zum ersten mal getroffen. Anders als zwischen Schiller und Charlotte, sowie zwischen Schiller und Caroline, hat es zwischen Göde und Schiller nicht gleich geschnackelt, sondern erst später.
Der Tatort, das Haus der Familie Lengefeld, heißt heute Schillerhaus, und es liegt in der - wer hätte das gedacht! - Schillerstraße. Wie das Theater heißt, möchte ich gern der Phantasie des Lesers überlassen, aber ich versichere, dass es nach einem großen Verfechter der bürgerlichen Freiheit benannt ist, der sich auf Piller reimt.
Sogar meine Goethe- und Pillerbüsten fürs Wohnzimmer sind in Rudolstadt gedrechselt worden aus unglasiertem Porzellan.
Warum erzählt der Onkel das?
Wenn man den Intendanten im Radio hört, dann berliniert da etwas janz leicht. Und jar nich mal so wenig. Das bürgt für Qualität. Jetzt lese ich was von 5 Jahre Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu DDR-Zeiten. Das kann ein normaler Mensch fast nicht unbeschadet verkraften. Immerhin: vorher hat er das Journalistikstudium am Roten Kloster Leipzig abgebrochen. Wie man gepolt sein muss, um dort überhaupt anzufangen, wage ich nicht zu beurteilen.
Zum Radio: Ob der Politiker ein Rindvieh ist, wird nur sehr schwach belegt. Da fällt so ein Satz vom Intendanten, "die Positionen, die wenigen, die bekannt geworden sind." Er will damit wohl sagen, "da ist bestimmt noch viel was Schlimmeres", und mutmaßt dann auch wie ein Großer, aber was rüberkommmt, ist eher, "leider habe ich nichts Greifbares."
Hochinteressant ist die Mutmaßung, Erwartung und Unterstellung, der falsche Landrat oder überhaupt jemals ein Landrat hätte Lust, den Theaterspielplan eines Provinztheaters umzustricken, so als ob der Spielplan dann nicht mehr brillant sein dürfte oder nicht mehr nach Herzenslust doof sein dürfte. Das widerspricht der Lebenserfahrung völlig. Doch als Unterstellung bleibt dem Untersteller kaum was anderes zu imaginieren übrig, wenn er schon mal brillant am Brainstormen ist.
Das Zeitgeist-Charakteristische an der Äußerung, wenn ich es recht überblicke, scheint der Zeitpunkt und die Ausgangslage zu sein. Der erste Wahlgang lässt praktisch keinen Zweifel, dass der Wunschkandidat von der SPD auch die Stichwahl gewinnt und der Intendant, der das ja auch schon an die 20 Jahre macht, kann jedem was vom Pferd erzählen, weil er im konkreten Fall nach menschlichem Ermessen nichts riskiert. Sein Duzfreund-Politiker wird bleiben.
Das Buzzwort heißt zwar Gratismut, wenn man nichts riskiert. Im Zeitgeist ist es aber normal, dass sich auf die eine oder andere Art eine Rendite einstellt und die dann auch zuverlässig kommt.
Der Tatort, das Haus der Familie Lengefeld, heißt heute Schillerhaus, und es liegt in der - wer hätte das gedacht! - Schillerstraße. Wie das Theater heißt, möchte ich gern der Phantasie des Lesers überlassen, aber ich versichere, dass es nach einem großen Verfechter der bürgerlichen Freiheit benannt ist, der sich auf Piller reimt.
Sogar meine Goethe- und Pillerbüsten fürs Wohnzimmer sind in Rudolstadt gedrechselt worden aus unglasiertem Porzellan.
Warum erzählt der Onkel das?
Wenn man den Intendanten im Radio hört, dann berliniert da etwas janz leicht. Und jar nich mal so wenig. Das bürgt für Qualität. Jetzt lese ich was von 5 Jahre Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu DDR-Zeiten. Das kann ein normaler Mensch fast nicht unbeschadet verkraften. Immerhin: vorher hat er das Journalistikstudium am Roten Kloster Leipzig abgebrochen. Wie man gepolt sein muss, um dort überhaupt anzufangen, wage ich nicht zu beurteilen.
Zum Radio: Ob der Politiker ein Rindvieh ist, wird nur sehr schwach belegt. Da fällt so ein Satz vom Intendanten, "die Positionen, die wenigen, die bekannt geworden sind." Er will damit wohl sagen, "da ist bestimmt noch viel was Schlimmeres", und mutmaßt dann auch wie ein Großer, aber was rüberkommmt, ist eher, "leider habe ich nichts Greifbares."
Hochinteressant ist die Mutmaßung, Erwartung und Unterstellung, der falsche Landrat oder überhaupt jemals ein Landrat hätte Lust, den Theaterspielplan eines Provinztheaters umzustricken, so als ob der Spielplan dann nicht mehr brillant sein dürfte oder nicht mehr nach Herzenslust doof sein dürfte. Das widerspricht der Lebenserfahrung völlig. Doch als Unterstellung bleibt dem Untersteller kaum was anderes zu imaginieren übrig, wenn er schon mal brillant am Brainstormen ist.
Das Zeitgeist-Charakteristische an der Äußerung, wenn ich es recht überblicke, scheint der Zeitpunkt und die Ausgangslage zu sein. Der erste Wahlgang lässt praktisch keinen Zweifel, dass der Wunschkandidat von der SPD auch die Stichwahl gewinnt und der Intendant, der das ja auch schon an die 20 Jahre macht, kann jedem was vom Pferd erzählen, weil er im konkreten Fall nach menschlichem Ermessen nichts riskiert. Sein Duzfreund-Politiker wird bleiben.
Das Buzzwort heißt zwar Gratismut, wenn man nichts riskiert. Im Zeitgeist ist es aber normal, dass sich auf die eine oder andere Art eine Rendite einstellt und die dann auch zuverlässig kommt.
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