Donnerstag, 5. März 2015
Das Wir gewinnt
Hier wurde debattiert, was es mit der Schuldlust auf sich hat, und da Menschen, die eine kollektivistische Diktatur noch vor sich haben, hierbei vor einem Rätsel stehen, erklären wir es gern wieder.

Wer von der Schuld-von-uns-Deutschen spricht, gewinnt zweierlei. Es handelt sich gerade nicht um eine Befragung des eigenen Gewissens und bedeutet eben nicht sich einer Verantwortung stellen im Sinne „es waren die meinen“, sondern eine Verteilung der Last auf die Allgemeinheit, also eine Entlastung seinerselbst, ein Nichtsdafürkönnen mit schuldbewusster Rhetorik. „Es waren die euren.“
Und damit eine Zuweisung von Schuld und ein Machtinstrument. Derjenige, der so redet, ist bereits der bessere. Und zu den besseren Deutschen zu gehören, das ist der deutsche Traum.

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Diktatur
Da steuern wir offenbar hin. Oder sind vermutlich schon mitten drin. Denn was man gerade in den letzten Wochen und Monaten so beobachten konnte, sind wir von jeglicher Demokratie weit abgerückt. Politik und Medien geben sich noch nicht einmal mehr sonderliche Mühe, wie in den vergangenen Jahrzehnten das Bild einer Pseudodemokratie zu pflegen.

Schuldlust, -stolz, -kult, -masochismus, -bewusstsein und so weiter sind die Stilmittel. Die sich aber in der Vergangenheit immer schwerer transportieren ließen. Ich zum Beispiel stamme aus der Nachkriegsgeneration und verbitte mir logischerweise jegliche Schuldzuweisung. Doch für meine und all die folgenden Generationen haben sich die Dummschwätzer im Lande längst eine neue Spielart ausgedacht: "Die besondere Verantwortung vor der Deutschen Vergangenheit™".

Diese Form der Rhetorik ist ein Machtinstrument, ohne Zweifel. Zu sagen: "Pfeif auf die Vergangenheit, wir schauen nach vorne", hilft nicht weiter. Es kommt immer wieder irgendein Depp unter einem Stein hervorgekrochen und schwingt sich über alle anderen auf, schwafelt von "Die besondere Verantwortung vor der Deutschen Vergangenheit™". Womit diese Kaste hinterlistig ausblendet, dass die Deutsche Geschichte weit länger als 12 Jahre dauerte und nicht mit einem nationalsozialistischen Urknall begann. Zugleich überdecken sie die heutigen Missstände. Unsere "Freunde" jenseits des großen Teiches sind die größten Vernichter der Demokratie und die schlimmsten Kriegstreiber seit dem Zusammenbruch des alten Römischen Reiches. Doch selbst die schütteln nur immer wieder ungläubig den Kopf, wenn sie den Kult mit der Deutschen Schuld betrachten.

Im englischen Sprachraum gilt der Satz: "Right or wrong, my country". Wer dort sein Land besudelt, macht sich automatisch zum Paria.

MfG
Hans

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Freunde
Unsere "Freunde" jenseits des großen Teiches sind die größten Vernichter der Demokratie und die schlimmsten Kriegstreiber seit dem Zusammenbruch des alten Römischen Reiches.
Aber auch ganz nett, humorvoll und der Freiheit der Meinungsäußerung deutlich mehr verbunden als andere.
Schuldübungen dieser Art gibt es bspw. auch ganz verstärkt in den Staaten und im UK.
Ich zum Beispiel stamme aus der Nachkriegsgeneration und verbitte mir logischerweise jegliche Schuldzuweisung.
Loge, aber Papi, Onkel, Opa und so waren schon einschlägig unterwegs seinerzeit?

MFG
Dr. W

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Sippenhaft?
Nun gut, Papi war bei Kriegsende noch keine 15. Die Onkels jünger. Opa mütterlicherseits war während des Krieges mit dem Kochen von Stahl beschäftigt. Opa väterlicherseits? Keine Ahnung. Habe ihn als kleines Kind nur einmal gesehen und das nächste Mal traf ich ihn auf seiner eigenen Beerdigung. Aber ich glaube, ich sollte vielleicht doch mal beim Entnazifizierer vorbeischauen. Wäre ja schlimm, wenn ich politisch unkorrektes Genom geerbt hätte. ;-)

Was unsere "Freunde" jenseits des großen Teiches betrifft: Da meinte ich nicht das Volk, sondern deren Führer. Beziehungsweise deren Hintermänner.

MfG
Hans

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Tante/Onkel 2. und 3. Grades,
, Großtante/Großonkel, auch 2. Grades, und Urgroßtante/Urgroßonkel, auch dort alles im Reinen? - Die Urgroßeltern nicht vergessen?

MFG
Dr. W

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Jaaa!
Ist ja gut. Ich schrieb doch, ich geh zum Entnazifizierer. Gleich morgen ... oder nächste Woche ...

Apropos "Freiheit der Meinungsäußerung" im anglophonen Sprachraum; habe soeben einen interessanten Artikel gelesen.

Siehe: Wegen “anti-westlichen Ansichten”: Britische Zensurbehörde droht Russia Today mit Lizenz-Entzug

Hat man sowas schon gehört? "Office of Communications" (OFCOM) scheint die Vorstufe von George Orwells "Miniwahr" zu sein. Es hat also schon begonnen.

MfG
Hans

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War doch nur ein Späßchen
, Hans, auch um Ihre Argumentation zu unterstützen.
RT ist übrigens gar nicht so schlecht.

MFG
Dr. W

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Achso
Und ich blätter mir den Wolf in den Gelben Seiten nach einem Entnazifizierer. :-)

RT gibt es übrigens auch auf Deutsch (Klick).

MfG
Hans

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Danke
, ist jetzt Lesezeichen.

Das, was da seit einiger Zeit von der EU und den USA angestoßen worden ist, um die Ukraine herum, geht mir auch ziemlich auf den Sack.
Realpolitik sieht anders aus.

MFG
Dr. W

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Machtinstrument
, klar, es müsste in diese Richtung gehen; wenn derart promoviert wird, soll wohl auch besser geherrscht werden können.
Erklärt aber (noch) nicht den internationalen Charakter der Gemütsübung "Schuld".

MFG
Dr. W

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Nebengedanke
Gestern bei Henning Ritter (Notizhefte, Berlin-Verlag) gefunden (Ritter war von 1985 bis 2008, laut Klappentext, im Feuilleton der FAZ verantwortlich für Geisteswissenschaften):
"Erstaunlich an der deutschen Nachkriegswelt ist die Homogenität der Erinnerungen - als hätten alle dasselbe erlebt, weil das Ergebnis dasselbe war. Letzlich wird es nie gelingen, die Erinnerungsfäden voneinander zu lösen. In der Homogenität der Erinnerungen lebt die verordnete Volksgemeinschaft fort, und so auch in dem Erinnerungsgebot der heutigen Erinnerungskultur. Diese hat Einpeitscher wie die Volksgemeinschaft. Nur wenige haben ihre unreglementierten Erinnerungen geltend machen können."
Ich muß gestehen, daß ich auf so einen Gedanken noch überhaupt nicht gekommen war.

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So eine Art
Echo des Bösen, korrekt.

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Hier noch ein
vglw. aktueller und schlechter Artikel zum Thema:
-> https://www.cicero.de/berliner-republik/griechenland-ukraine-und-islamismus-warum-sind-wir-so-gerne-schuld/58935

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Stimmt
Ist aktuell und schlecht. Der, zweifellos gutmenschliche, Autor malt ein Schwarzweißbild der Geschichte und ist zudem wohl nicht so ganz auf der Höhe der Zeit. Schuldkult ist erstens kein Kampfbegriff, sondern der Versuch beobachtetem Verhalten einen Namen zu geben. Zweitens ist der Begriff alles andere als neu. Er lief mir schon Mitte der 1990er Jahre über den Weg. Aussagekräftig ist er, soviel steht fest.

Hier ist ein schon etwas angestaubter Artikel, den es meines Erachtens aber zu lesen lohnt (Klick).

MfG
Hans

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