Freitag, 24. Juli 2026
Blendendes Zeitungsdeutsch
Hier zwei gerade eingetroffene Beispiele dafür, wie man mit der Benutzung des Zeitungsdeutschs das, was man kritisieren will, reproduziert.

Der Verleger der Ostdeutschen Allgemeinen (Offenlegung: die Zeitung hat einen guten Karikaturisten) schreibt ausführlich über Bilder und Wirkungen, zwei Stellen sind beispielhaft für unser Thema: „Umso irritierender ist, dass schon der Hinweis auf Verzerrungen Rechtfertigungsdruck auslöst. Aus Medienkritik wird rasch der Verdacht, Rechtsextremismus relativieren, die DDR zurückwünschen, russlandfreundlich oder antisemitisch denken oder gar fremden Interessen dienen zu wollen“ und „Ein Zitat erhält eine andere Bedeutung, weil der Zusammenhang fehlt. Aus einer Bekanntschaft wird Nähe, aus einer Teilnahme Zustimmung, aus einem Gespräch eine politische Verortung. So entstehen Bilder: nicht durch Erfindung, sondern durch Komposition.“
Auch wenn es im Text vorkommt, ist die Zeitungsdeutsch-Konstruktion, dass irgendwas zu irgendwas wird, eine Ablenkung davon, wer was tut und welche Interessen verfolgt. Die Handelnden sind zu betrachten, um das Geschehen zu verstehen. Da gäbe es viel zu erzählen.

Ähnliches in Cicero.de, die Herkunft der Täter ist ein blinder Fleck, ist zu lesen. Wie wissen, was gemeint ist. Aber diese Metapher führt weg von der politischen Verantwortlichkeit. Einen blinden Fleck hat ein Betrachter, aber wer hat ihn verursacht? Dieser blinde Fleck hat Akteure, darum ist die Metapher falsch. Der Argumentationsvektor ginge dahin, die Herkunft der Täter zu sehen. Richtigerweise muss man die Verantwortung der politischen Akteure sehen, benennen und angehen. Die Zeitungsdeutsch-Metapher schützt sie aber, auch bei einem Text, der versucht, das Problem sagbar zu machen.

Wir brauchen also zunächst eine Deutschwende.

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