Sonntag, 19. Dezember 2021
Normalität, wie wir sie kennen
Nach der Umstellung der DDR auf Bundesrepublik wollten manche nicht nur nichts mehr von vorher wissen, viele haben die frühere Normalität einfach vergessen, was völlig normal ist. Blickt man nur zurück, erstarrt man leicht zur Salzsäule, man hat mit der neuen Normalität genug zu tun.
Für Westkommunisten änderte ich indes gar nichts, außer dass die Anschauung, wie die real existierende Realität aussieht, weggefallen war. Nach kurzem Schock waren sie wieder da und hatten gelernt, was geht, nämlich einen Systemwechsel zu vollziehen, der als neue Normalität ankommt.
Das ist der Transformationszustand, in dem wir jetzt sein. Die Leute, die meisten, haben mit den Zuständen und Maßnahmen zu tun derart, dass sie irgendwie zurechtkommen wollen. Kapazitäten, um nachzuvollziehen, wie die Entscheidungen zustandekamen, oder gar in Zweifel zu ziehen, haben sie nicht. Die Kraft geht anders schon weg.
Die Transformateure brauchen nur noch Schuldige zu präsentieren, dann ist ihr neues System eingeführt und von selbst stabilisiert.
Die Soziologen hatten Recht. Die Sozialisierung erschafft die Menschen.

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"Die Sozialisierung erschafft die Menschen."
Erlaube mir, Widerspruch anzumelden. Höchstens: Die Sozialisierung erschafft einige/viele (?) Menschen (zumeist Mitläufer), aber nicht alle, nämlich die nicht, die sich aus der selbstverschuldeten Unmündikeit befreien konnten. Das ist naturgemäß wohl stets eine Minderheit.

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War ja, vom werten hiesigen Inhaltegeber distanziert, im Ablativ sozusagen gemeint, Dr. W ist allerdings Soziologe genug, um eine "Menschheitsschaffung" durch Sozialisierung nicht ausschließen zu wollen, in etwa so, wie das Bewusstsein das Sein bestimmt (Was sonst?), Dr. W mag auch konstruktivistische Ansätze, sofern sie angemessen das Fortkommen des hier gemeinten Hominiden beschreiben, erklären und die Prädiktion erlauben könn(t)en.

Das Sein und das Bewusstsein verstehen zu können, ist im aufklärerischen Sinne eine Maßgabe, die an alle gerichtet ist.

Der Schreiber dieser Zeilen glaubt auch nicht, abweichend von Kant, dass eine selbstverschuldete Unmündigkeit vorliegt, sondern sieht in dieser Unmündigkeit sozusagen den natürlichen, ungehobelten Zustand des hier gemeinten Hominiden.

Die Soziologie ist aus diesseitiger Sicht sozusagen ein natürlicher Gegenstand der Geisteswissenschaften, die allerdings zunehmend in ungute Hände zu geraten scheinen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Webbaer

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